Dienstag, 15. November 2011
Und sie dreht sich doch...
Wisst ihr was das schöne an der Zeit ist? -Sie vergeht! Macht Platz für Neues...schaft Abstand zwischen den Dingen ohne das wir etwas dafür tun müssen.
Und manchmal passiert das Neue einfach, ohne das wir etwas getan zu haben scheinen. So ist es mir ergangen. Während ich im Frühjahr noch so schwere Gedanken mit mir herum schleppte und im Frühling das Glück in den Wind geschrieben hatte ist es im Sommer einfach passiert:
Ich bin durch eine Tür gegangen, in einen Raum den ich nicht kannte, an einem Ort an dem ich noch nie war. Ich suchte mir einen freien Stuhl, setzte mich und saß plötzlich neben ihr. Als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Alles war so unwirklich aber es fühlte sich an, als wäre es realer als irgendetwas sonst in meinem ganzen Leben vorher. Ich fühlte mich als wäre ich zu Hause, als wäre ich angekommen, als gäbe es nichts mehr zu tun als hier sitzten zu bleiben, neben ihr. Wir haben stundenlang dort gesessen und kein Wort miteinander gesprochen. Ich kannte sie nicht, nicht ihren Namen, nicht ihre Geschichte, nichts was mir helfen würde einzuschätzen wer sie ist, woher sie kommt, wie sie ihr Leben lebt, was sie ausmacht. Sie sah mich nicht an und ich hatte Mühe meine Blicke nur schüchternt, ganz beiläufig aus den Augenwinkeln auf sie zu richten. Sie saß ganz entspannt neben mir. Eine ganz einfache Frau, auf einem ganz einfachen Stühl, die einfach nur dort saß. Aber für mich war sie unendlich viel, so lebendig.
Sie umhülte mich, mich durchdrang ein Gefühl als gäbe es einen winzigen Punkt um den sich das ganze Universum dreht und als läge dieser Punkt in diesem Moment mitten in mir.
Sie schien meine Blicke zu bemerken und drehte ihren Kopf langsam zu mir. In mir kochte Angst auf, explosionsartig fühlte ich mich unwohl, ertapt und beschämt. Ich schaffte es irgendwie nicht panisch den Kopf wegzudrehen, sondern suchte stattdessen die Wand hinter ihr nach irgendetwas ab, dass meinen starrenden Blick erklären könnte. Zeitgleich fiel mir der Kulli aus der Hand. "Du Vollidiot", dachte ich noch kurz bevor sich unsere Blicke trafen und sie - lächelte mich an. Ganz bewußt und ganz direkt. Nur kurz, aber dieses Lächeln hinter den kleinen blonden Strahnen, ihre ganze Art mich anzusehen für den Moment des einen Wimpernschlages, machte mich menschlich und wertvoll. Alle Zweifel, alle Ängste, alle Gedanken, Strategien und Hoffnungslösigkeiten des letzten Jahres. Alle Überlegungen die ich hier im Blog und in meiner Seele zementiert hatte, lösten sich auf. In diesem Moment habe ich erfahren, das es etwas gibt das größer ist als alle Zweifel, erhaben über meine Angst zu scheitern, meine Befürchtungen bereits gescheitert zu sein. Nenne es wie Du willst, für mich trägt es ihren Namen. Und ich habe seitdem soviel mir möglich war unternommen um dieses Lächeln wiederzusehen. Ich brauche ihre Nähe, so sehr dass ich Angst habe sie falsch zu dosieren...

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