Wünsch Dir was...

Wünsche sind toll, ich könnte den ganzen Tag in der Frühlingssonne sitzen und mir meine glückliche Zukunft zu zweit ausmalen. Jetzt wo der Frühling kommt, wer weiß, vielleicht begegnet mir ja im nächsten Augenblick schon die Frau meines Lebens, die gerade genauso verträumt ist wie ich. Und so ergibt sich vielleicht schon hinter der nächsten Ecke ein spontanes Gespräch, ein freundliches Lächeln, eine zufällige Bekanntschaft. Vielleicht im Job oder beim Einkaufen, vor dem Zahnpastaregal und genau eine Woche später trifft man sich womöglich zufällig wieder vor demselben Regal...

Und schon erwische ich mich dabei meine Umgebung abzusuchen. Wer ist noch hier im Laden? Wer sitzt in dem Auto an der Ampel neben mir? Warum versucht die Frau mit dem Hund soviel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Und wem immer ich flüchtig ins Gesicht lächle, lächelt zurück. Ein tolles Gefühl, man könnte die ganze Welt umarmen.
Doch während ich selig in dieser Euphorie versinken möchte gehen mir auch die Bilder aus Japan durch den Kopf und meine Wünsche richten sich an die Menschen dort, die alles verloren haben. Die seit Wochen mit unfassbaren Lebensängsten konfrontiert sind, während ich mich um meine alltäglichen Wehwehchen sorge. Meine Wünsche und Gebete gelten ihnen, auch weil mir in meiner Ohnmacht nichts anderes bleibt als zu wünschen und zu beten.

Ist das das Problem mit den Wünschen? Sie sind im Grunde ohnmächtige Sehnsüchte, die nach einem Dritten (z.B. der guten Fee) verlangen der sie erfüllt. Wer wünscht handelt noch nicht. Um zu handeln brauch es mehr als gute Wünsche, Ideen und Vorsätze. Handeln braucht eine Vorstellung davon wie sich ein Wunsch erreichen lässt, welche Mittel nötig sind und welche Schritte in welcher Reihenfolge sinnvoll wären. Um Dinge zu verändern braucht es nicht den Wunsch sondern den Willen, nicht die Vorstellung sondern die Absicht etwas in Bewegung zu setzten. Als Single fällt es mir schwer diesen Schritt, vom Wünschen zum Wollen, einer Beziehung zu gehen. Warum bleibt unklar. Aber den Versuch fehlenden subjektiven Willen durch pseudoobjektive Argumentationen (vom Vorteil des Singlelebens, dem Sinn und Zweck oder dem Wert einer Bindung) zu retuschieren, führt in die Sackgasse. Die Frage an alle Singles dieser Welt ist einfach:

Was wollen wir?


799